Warum fühle ich mich nicht gut genug, obwohl er mich liebt?

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Kurz gesagt: Wenn du dich nicht gut genug fühlst, obwohl er dich liebt, liegt das nicht an ihm. Es liegt an einem alten Glauben aus deiner Kindheit: Ich muss leisten, um geliebt zu werden. Seine Liebe kann diesen Glauben nicht heilen, weil Selbstliebe nicht von außen kommt. Sie entsteht in dir, durch deine Entscheidung und durch kleine mutige Taten, auf die du stolz sein kannst.

Von Jutta Reinke, Beziehungscoach und Heilpraktikerin für Psychotherapie

Du weisst, er liebt dich, aber du fühlst es trotzdem nicht.

Er sagt, er liebt dich. Und du glaubst es nicht ganz.

Im Job weißt du, was du kannst. Du führst, entscheidest, hältst Druck aus.

Und zu Hause fragst du dich: Mag er mich wirklich so, wie ich bin? Bin ich zu viel? Zu wenig? Zu kompliziert?

Dann beginnst du zu leisten, auch in der Liebe. Du passt dich an, spürst nur noch, was er braucht, und schluckst herunter, was du selbst willst. Du hältst dich in seinem Garten auf, gießt seine Blumen, und dein eigener Garten vertrocknet.

Woher das Gefühl kommt

Als Babys mussten wir nichts tun, um geliebt zu werden. Wir waren einfach da, und das reichte.

Irgendwann änderte sich das. Hilf im Haushalt. Mach deine Hausaufgaben. Sei lieb. Plötzlich mussten wir etwas tun, um Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen.

So entstand in vielen von uns ein Glaube: Ich muss leisten, funktionieren und mich anpassen, um geliebt zu werden. Und mit ihm kamen die Stimmen: Ist das gut genug? Bin ich zu viel, zu wenig, zu falsch?

Dieser Glaube verschwindet nicht, nur weil heute ein Mann neben dir steht, der dich liebt. Er hat mit ihm gar nichts zu tun. Deshalb kann seine Liebe ihn auch nicht lösen.

In der Kindheit hast du gelernt, für Liebe zu funktionieren.

Die erste Wahrheit: Liebe entsteht in dir

Selbstliebe ist nichts, was dir jemand gibt. Der andere kann der Auslöser sein, aber das Gefühl wird in dir aktiviert.

Das ist eine wundervolle Nachricht. Denn es bedeutet: Du bist nicht abhängig von außen. Du hast die Macht darüber.

Die zweite Wahrheit: Selbstwert ist eine Entscheidung

Ich habe einen guten Freund, Caeyric. Er ist heute über fünfzig, und er ist ein Mensch, der sich ungemein liebt. Und das, obwohl er mit drei Jahren in den Kinderhandel gegeben wurde. Acht Jahre lang lebte er in verschiedenen Haushalten und wurde dort sexuell, emotional und körperlich missbraucht. Seine ganze Kindheit lang hörte er, er sei verrückt, er sei nichts wert. Er wurde wirklich erniedrigt.

Wie hat dieser Mann es geschafft, so ein stabiler, selbstliebender Mensch zu werden? Er hat sich entschieden. „Nein. Gerade weil diese Leute von mir fordern, dass ich zerbreche, werde ich es nicht tun.“

Ich habe ein ausführliches Interview mit Caeyric geführt, in dem er seine Geschichte selbst erzählt. Hier kannst du es dir anschauen.

Und es gibt Frauen, die als Kind behütet und bewundert wurden. Du bist die Klügste, die Schönste, die Wundervollste. Und trotzdem fühlen sie sich als Erwachsene nicht liebenswert.

Deine Vergangenheit entscheidet also nicht darüber, ob du liebenswert bist. Du entscheidest. Das heißt nicht, dass du deine Geschichte wegdrückst. Du nutzt sie, egal wie sie war, um dir selbst zu beweisen: Ich bin es wert.

Die dritte Wahrheit: Selbstwert wächst durch Mut

Als ich das verstanden habe, dachte ich: Wow, wir haben so viel Macht über uns.

Selbstwert entsteht, wenn du etwas tust, das dir Angst macht. Wenn du dir ein Ziel außerhalb deiner Komfortzone setzt und es trotz der Angst schaffst. Du kennst diesen Moment: Krass, ich hab es geschafft. Die Angst verwandelt sich in Mut und Stolz.

Ich habe das selbst gerade erlebt. Eine Mitgliedschaft für Frauen zu gründen, hat mir riesigen Respekt gemacht. Kann ich in einer Gruppe so in die Tiefe gehen, wie ich es mir wünsche? Ich habe es trotzdem gemacht. Und ich merke, wie ein Stück Selbstliebe dazugewachsen ist, einfach weil ich gesehen habe: Ich kann das.

Selbstliebe ist kein neues Leistungsprojekt

Wichtig: Mach aus Selbstliebe keine weitere Aufgabe, die du perfekt erfüllen musst.

Selbstliebe wächst von ganz allein, wenn du dich traust und dem nachgehst, worauf du Lust hast. Dann kannst du aus der Fülle geben, statt dich ständig zu analysieren.

Selbstliebe entsteht im Tun, nicht im Grübeln.

Selbstwert wächst durch Mut

Übung: Deine Mikro-Mutprobe

Such dir heute noch oder spätestens am Wochenende eine kleine Sache, die in dir Nervosität auslöst. Nicht groß, nur ein bisschen außerhalb deiner Komfortzone. Zum Beispiel:

  • Mach einer fremden Person ein ehrliches Kompliment.
  • Sag Nein, ohne dich zu rechtfertigen, und halte die Stille danach aus.
  • Sprich ein Bedürfnis aus, das du sonst herunterschluckst.
  • Geh allein ins Restaurant oder ins Kino und lass die Blicke der anderen zu.

Egal, wo deine Herausforderung liegt: Finde sie und mach es. Danach spürst du genau diesen Moment, ich hab es geschafft, und deine Pflanze wächst.

Bonus: Drei Dinge, auf die du stolz bist

Schreib eine Woche lang jeden Abend drei Dinge auf, auf die du stolz bist. Klein oder groß, von heute oder von vor zehn Jahren, aus dem Kindergarten oder aus dem letzten Meeting. Ganz egal.

Nach sieben Tagen hast du 21 Beweise, schwarz auf weiß, dass du mehr kannst und mehr wert bist, als die Stimme „nicht gut genug“ behauptet.

Wann Begleitung sinnvoll ist

Vielleicht hast du das alles schon verstanden, und trotzdem meldet sich die Stimme jedes Mal wieder, sobald es in der Beziehung eng wird. Das ist normal. Der Glaube „Ich muss leisten, um geliebt zu werden“ sitzt nicht im Kopf, sondern tiefer, im Körper und im Unterbewusstsein. Dort setze ich mit Hypnose und Emotionscoaching an.

In meiner 7-Tage-Challenge BECOME THE ONE lädst du dich sieben Tage lang zurück in deinen eigenen Garten ein: jeden Tag ein kurzes Video, eine kleine Aufgabe und eine Live-Hypnose. Hier findest du die nächste Runde.

Im BE THE ONE Club vertiefen wir Themen wie Selbstliebe, „nicht gut genug“ und Grenzen Woche für Woche, gemeinsam mit anderen Frauen.

Über die Autorin

Jutta Reinke ist Beziehungscoach und Heilpraktikerin für Psychotherapie mit eigener Praxis seit 2017. Sie begleitet berufstätige Frauen im DACH-Raum, in Partnerschaft und Single, die im Job souverän führen und in der Liebe kämpfen. Sie arbeitet online mit Hypnose, Familienaufstellung und Emotionscoaching. Mehr auf jutta-reinke.de und auf Instagram unter @juttareinke_official.

Häufige Fragen

Muss ich mich erst selbst lieben, bevor ich eine gute Beziehung führen kann? Nein. Diese Idee setzt dich nur unter neuen Druck. Selbstliebe wächst auch in einer Beziehung, durch jeden Moment, in dem du bei dir bleibst und dich traust.

Warum hilft es nicht, wenn mein Partner mir sagt, dass er mich liebt? Weil das Gefühl, nicht gut genug zu sein, älter ist als eure Beziehung. Seine Worte erreichen den alten Glauben nicht. Die Veränderung beginnt bei dir.

Wie schnell wächst Selbstwert? So schnell, wie du dich traust. Jede kleine Mutprobe zählt. Du entscheidest, wie viele Herausforderungen du dir zutraust.

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